Bau einer Rolldach-Sternwarte

Ein Traum wird wahr – Der Aufbau einer Sternwarte in Ostfriesland

Eigentlich habe ich gar nicht mehr damit gerechnet jemals eine eigene Sternwarte aufbauen zu können. Seitdem ich das Hobby Astronomie betreibe, war es ein langersehnter Wunsch für meine Teleskope eine feste Behausung zu bauen.

Als ich 2021 in Rente ging, haben wir beschlossen, nach dreißig Jahren Ruhrgebiet ins schöne Ostfriesland zu ziehen. Es war die richtige Entscheidung, die wir bis heute nicht bereut haben. Hier in Ostfriesland war der Himmel endlich so dunkel, wie ich es mir immer gewünscht hatte.

Es gab auf unserem Grundstück ausreichend Platz, um eine Astrohütte in benötigter Ausrichtung aufzustellen. Vorsorglich habe ich mich mit dem hiesigen Bauamt in Verbindung gesetzt, um baurechtlichen Überraschungen aus dem Weg zu gehen.

Nachdem das alles geklärt war, konnte ich Ende 2021 den Sternwarten Bausatz einer Rolldachhütte der Firma Dome Parts bestellen. Die Maße sollten 2,25 m x 2,25 m werden mit einer Bohlenstärke von 44 mm.

Im März 2022 wurde der Bausatz auf einer großen Palette angeliefert. Ebenso ein großer Karton mit den ganzen Schrauben und dem Dachantrieb mit Steuerung, der über USB ansteuerbar sein sollte.
Da das Holz noch unbehandelt geliefert wurde, mussten diese noch mit einem guten Holzschutzmittel versiegelt werden. Dafür brauchte man noch eine ganze Weile.

Erster Schritt: das Fundament

Mit dem Bau des Streifenfundaments konnte ich im August 2022 beginnen. Dabei musste ich besonders auf die korrekte Nord- Südausrichtung achten, damit das Teleskop den möglichst größten Sichtkorridor Richtung Süden hat.

Dank meiner netten Nachbarn mit viel Erfahrung, konnte ich das Streifenfundament in nur zwei Tagen fertigstellen. Hierbei verwendete ich Hohlkammersteine, die ich mit Fertigbeton befüllte.

Nach dieser Baumaßnahme konnte ich im Jahr 2022 keine weitere Außenarbeiten tätigen.

Vorbereitung für den Remote-Betrieb

Erst im August 2023 konnte ich mit der Verlegung des Strom- und Netzkabels zwischen Haus und Astrohütte weitermachen, denn die Teleskope sollten auch später remote gesteuert werden. Jede Menge Erdarbeiten musste ich bewältigen, bis die Kabel in der Erde lagen.

Im Mai 2024 konnte ich mit dem Betonieren der Montierungssäule beginnen. Inzwischen waren auch sämtliche Holzteile der Astrohütte gestrichen und warteten auf ihren Zusammenbau.

Aufbau der Hütte

Anfang Juni war es endlich so weit und mit Hilfe meines Schwagers begannen wir den Aufbau der Grundbalken auf dem Streifenfundament. Stück für Stück wuchsen die Seitenwände in die Höhe und da Holz ja bekanntlich arbeitet, war es nicht immer einfach die schon behandelten Holzbohlen ineinander zu stecken. Am Ende passte es aber.

Bis zum 6. Juni stand die Hütte bis zum oberen Auflagebalken für das Rolldach. Der vordere Shutter und die Schiebetür im Eingang waren auch bereits eingebaut. Da das Wetter wieder unbeständiger wurde und auch unser Sommertreffen SWAT des Astrovereins bevorstand, habe ich erstmal alles wieder “Christo” mäßig verpackt, damit sich in der Hütte kein Wasser sammeln konnte.

Ende Juni ging es dann weiter und ich konnte die Ablaufbalken fürs Rolldach aufstellen. Am 8. Juli war Richtfest. Das Rolldach aus Sparren und großen Holzplatten wurden auf die Rollwagenbalken gesetzt und verschraubt. Am 16. Juli bekam das Dach dann seine erste Belegung mit Dachbahnen und somit war die Hütte erstmal vor Regen geschützt.

Erste Schritte im Innenausbau

Jetzt war es auch möglich mit dem Innenausbau zu beginnen. Alle elektrischen Anschlüsse, Steckdosen und Kabelkanäle wurden verlegt und auch genug Reserven, denn hinterher ist es schwierig, wegen eines zusätzlichen Kabels, alles wieder auf zu machen.

Auf die eingebauten Auflagebalken für den entkoppelten Boden, habe ich Rauhspundbretter verlegt. Vorher wurden diese auch mit Holzschutz behandelt.

Etwas Besonderes war der etwas tiefer liegende Eingangsbereich als die Übrige Bodenfläche. Hier baute ich eine Art Treppenstufe ein, die lose eingelegt ist und später zu Inspektion unter dem Boden benutzt werden kann. Eine ständige Belüftung ist gegeben, weil unter dem Boden keine Dämmstoffe verbaut sind.

Lediglich im Außenbereich der Hütte sind Streifen aus Teichfolie von den unteren drei Holzbohlen bis ins Erdreich am äußeren Streifenfundament mit Bitumkleber befestigt. Dadurch wird das Holz von Spritzwasser bei Regengüssen geschützt. Innen bleibt alles frei und das Holz kann atmen.

Auf dem Streifenfundament liegt eine Sperrbahn, die verhindern soll, dass Feuchtigkeit von unten in die Grundbalken der Seitenwände eindringen kann. Diese Grundbalken liegen zusätzlich auf Kunstsoffplättchen und haben somit keinen direkten Kontakt zum Fundament außer über die Befestigungsanker. Ich denke, dass es gerade hier oben in Nordwestdeutschland wegen der hohen Luftfeuchtigkeit nicht schaden kann.

Abschluss des Dachs

Auch das Dach war noch nicht endgültig fertig und ich hatte eigentlich vor, es mit roten Teerpappenschindeln zu belegen. Zufälligerweise hatte unser Nachbar gerade eine Partylaube aufgestellt und oben ein Blechdach in Ziegeloptik installiert.

In einem schönen Anthrazit-Farbton sah es sehr edel aus. Kurzerhand entschloss ich mich, ebenfalls für diese Dachbedeckung. Die Lieferung erfolgte noch in der Woche und ich konnte das Dach in zwei Tagen fertigstellen. Die Optik war perfekt!

Ein ordentliches Dach braucht einen ordentlichen Abschluss und ich überlegte, wie ich an einem abrollbaren Dach eine Regenrinne mit Ablauf montieren könnte. Im Baumarkt wurde ich fündig und kaufte passend zum Anthrazit des Daches Regenrinnen, Endkappen und Ablaufstücke, sowie Fallrohre mit Haltern.

Um das Dach weiterhin beweglich zu halten, musste eine Konstruktion her, die das ermöglichte. So habe ich ein zweites Ablaufstück am Fallrohr befestigt, in das das Ablaufstück der Dachrinne hineinfahren kann. Eine zusätzliche Abstützung stabilisiert das Fallrohr unterhalb des Ablaufes.

Mittlerweile habe ich sogar eine Regentonne aufgestellt, in der ich fleißig Regenwasser für den Garten meiner Frau sammle.

Die Säule wird vorbereitet

Anfang September ging der Innenausbau der Astrohütte auch dem ersehnten Ende entgegen. Die Montierungssäule, die immer noch die orangene Kanalrohrfarbe hatte, wurde von mir in einem dunklen blau gestrichen.

Um Ablagemöglichkeiten an der Säule zu haben, baute ich mir ein passendes Regal, an dem auch eine wassergeschützte Doppelsteckdose angebracht wurde. Die elektrische Zuleitung hatte ich schon vorher bis zur Säule gelegt. Das Regal bekam zwei Ablageböden.

Auf der unteren Fläche stehen die Netzteile, die für den nötigen Strom für die Montierung und den Zusatzgeräten sorgen. Der obere Boden ist zum Ablegen von diversen Zubehörteilen und Luftentfeuchtern. Auch das hat sich super bewährt.

Montierung und Teleskope ziehen ein

Am 6. September 24 war es endlich so weit. Auf dem Säulenadapter setzte ich nun die Montierung. Nach dem Einnorden und Ausrichten konnte ich erstmals das 10” Schmidt Cassegrain aufsatteln. Alles macht einen soliden, stabilen Eindruck.

Mittlerweile ist die Astrohütte fertiggestellt und die Montierung mit einer Parallelschiene für zwei Teleskope ausgerüstet. Das war möglich, weil die EQ 8 R Teleskope bis 50 kg tragen kann.

Manchmal sitze ich nachts in der Hütte und betrachte die Himmelsobjekte durch meine Teleskope visuell. Das ist nochmal ein Erlebnis, das mich mit Demut und Dankbarkeit berührt, ein Teil dieses gigantischen Universums zu sein.

Danke für Euer Interesse und allen Lesern einen wundschönen klaren Nachthimmel. Und denkt daran, je weniger fremde Lichtquellen den Nachthimmel beleuchten, desto besser könnt ihr die Wunder des Universums erfassen, denn das ist es, was die Menschen seit Urzeiten fasziniert.

Clear Skies
Norbert Thönsen